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AKTENZEICHEN NR. IJM-0017

KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV

Ludwig van Beethoven

Beethoven

Komponist

Ludwig van Beethoven

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL

NameLudwig van Beethoven
EnglischBeethoven
NationalitatDeutschland
Lebensdaten1770–1827
GeschlechtMännlich
Jahrhundert19. Jh.
FachgebietMusik
TitelKomponist

ABSCHNITT II -- UBERBLICK

Ludwig van Beethoven wurde im Dezember 1770 in Bonn in eine musikalische Familie mit flämischen Wurzeln geboren; getauft wurde er am 17.Dezember.Sein Großvater war hochgeachteter Hofkapellmeister des Kölner Kurfürsten, sein Vater Johann ein mäßig begabter Sänger und schwerer Trinker.

Als Johann das Ausnahmetalent seines Sohnes erkannte, versuchte er, einen zweiten Mozart aus ihm zu machen: Er zwang den Jungen zum nächtlichen Üben, ließ ihn öffentlich zwei Jahre jünger ausgeben und prügelte ihn ans Klavier.Trotz dieses brutalen Drills blieb Ludwig ein eigensinniges Kind; er liebte die Natur und las gern die Odyssee und Plutarch.

Mit zwölf veröffentlichte er seine ersten Kompositionen, mit 14 wurde er Hoforganist.Der erste Wendepunkt kam 1787, als der 16-Jährige für einige Wochen nach Wien reiste, um Mozart vorzuspielen.

Die Begegnung ist unsicher dokumentiert; Mozart soll gesagt haben: «Gebt acht auf den – er wird dereinst von sich reden machen.» Der Aufenthalt wurde jedoch durch die Nachricht abgebrochen, dass seine Mutter im Sterben lag.

Beethoven kehrte nach Bonn zurück, pflegte sie bis zum Ende und übernahm mit 17 Jahren die Verantwortung für seine beiden jüngeren Brüder, während der Vater dem Alkohol verfiel.Er erhielt gerichtlich ausgezahlt die Hälfte des Vatergehaltes und wurde de facto Familienoberhaupt.

1792 zog er endgültig nach Wien, wo ihm der in Bonn durchreisende Joseph Haydn Unterricht versprochen hatte.«Du erhältst Mozarts Geist aus Haydns Händen», schrieb ihm Graf Waldstein zum Abschied in sein Stammbuch.

Die Haydn-Stunden verliefen enttäuschend, doch Beethoven etablierte sich rasch als Klaviervirtuose, berühmt für seine stürmischen Improvisationen und seine Fähigkeit, gegnerische Pianisten bei Wettstreiten zu demütigen.Mit adligen Mäzenen – Fürst Lichnowsky, Erzherzog Rudolph – sicherte er sich eine Existenz als freier Künstler, ohne Hofdienst.

Ab 1798 erschienen die ersten Streichquartette und Klaviersonaten, die die klassische Form bereits aufzusprengen begannen.Der zweite Wendepunkt war tragisch: Um 1798 begann Beethoven, sein Gehör zu verlieren – für einen Komponisten eine existenzielle Katastrophe.

1802, im Kurort Heiligenstadt bei Wien, schrieb er das erschütternde «Heiligenstädter Testament», einen Brief an seine Brüder, in dem er seinen Gedanken an Selbstmord gestand: «Wenig fehlte, und ich endigte selbst mein Leben – nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück.» Aus diesem Abgrund stieg er zu seiner «heroischen» mittleren Schaffensperiode auf: die Dritte Sinfonie «Eroica» (1804), ursprünglich Napoleon gewidmet, deren Titel er in Wut durchstrich, als dieser sich zum Kaiser krönte; die Fünfte Sinfonie mit dem berühmten «So pocht das Schicksal an die Pforte»; die einzige Oper «Fidelio»; die Klaviersonaten «Waldstein» und «Appassionata».

In den folgenden Jahren wurde sein Gehör immer schlechter.Ab 1818 kommunizierte er nur noch über «Konversationshefte», in die Besucher ihre Fragen schrieben.Verbittert, kränklich, in endlose Rechtsstreitigkeiten um das Sorgerecht für seinen Neffen Karl verstrickt und schwierig im Umgang, zog er oft um und schrieb beschwörende Liebesbriefe an eine «unsterbliche Geliebte», deren Identität bis heute debattiert wird.

Doch sein spätes Schaffen reichte in bisher unerreichte Tiefen: die letzten Klaviersonaten, die «Missa solemnis», die späten Streichquartette mit ihrer fast metaphysischen Kühnheit.Am 7.

Mai 1824 wurde die Neunte Sinfonie im Wiener Kärntnertortheater uraufgeführt.Der völlig taube Beethoven dirigierte noch mit dem Rücken zum Publikum, als die Altistin Caroline Unger ihn sanft umdrehen musste, damit er den stürmischen Applaus sehen konnte.

Mit dem Schlusschor auf Schillers «Ode an die Freude» hatte er die Menschheit selbst zum Thema der Sinfonie gemacht.Beethoven starb am 26.März 1827 in Wien während eines Gewitters, 56 Jahre alt, an Leberzirrhose und Komplikationen.

Rund 20.000 Menschen folgten seinem Sarg.Er schlug die Brücke zwischen Klassik und Romantik, erweiterte den Umfang von Sinfonie, Sonate und Konzert, und seine Fähigkeit, nach dem Gehörverlust Meisterwerke zu komponieren, bleibt eine der bemerkenswertesten Leistungen der Kunstgeschichte.

Die «Ode an die Freude» wurde zur Europahymne und zum universellen Symbol menschlicher Brüderlichkeit.

ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE

1770Geboren in Bonn, Deutschland
1792Zieht zum Studium nach Wien
1802Beginnt sein Gehör zu verlieren
1808Uraufführung der Fünften Sinfonie
1824Uraufführung der Neunten Sinfonie, völlig taub
1827Stirbt in Wien (56 Jahre)

ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.

ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN

[A]Taub vor dem Applaus

Bei der Uraufführung der Neunten Sinfonie war Beethoven völlig taub. Als das Werk endete, dirigierte er noch mit dem Rücken zum Publikum und musste umgedreht werden, damit er den Applaus und die Begeisterung des Saals sehen konnte.

ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG

Beethoven schlug die Brücke zwischen Klassik und Romantik und erweiterte den Umfang und die emotionale Bandbreite von Sinfonie, Sonate und Konzert. Seine Fähigkeit, nach dem Verlust seines Gehörs Meisterwerke zu komponieren, ist eine der bemerkenswertesten Leistungen in der Kunstgeschichte. Die 'Ode an die Freude' der Neunten Sinfonie wurde zur Hymne der Europäischen Union und zum universellen Symbol menschlicher Brüderlichkeit.

ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE

  • [01]Sinfonie Nr. 9 'Chorsinfonie' (1824)
  • [02]Sinfonie Nr. 5 (1808)
  • [03]Mondscheinsonate, Klaviersonate Nr. 14 (1801)
  • [04]Für Elise (ca. 1810)
  • [05]Fidelio, Oper (1805, überarbeitet 1814)

ABSCHNITT VIII -- REFERENZMATERIALIEN

ENDE DER AKTE -- IJM-0017SEITE 1 VON 1