AKTENZEICHEN NR. IJM-0033
KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV
Marco Polo
Marco Polo
Entdecker und Kaufmann

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL
| Name | Marco Polo |
|---|---|
| Englisch | Marco Polo |
| Nationalitat | Italien |
| Lebensdaten | 1254–1324 |
| Geschlecht | Männlich |
| Jahrhundert | 11.–15. Jh. |
| Fachgebiet | Erforschung |
| Titel | Entdecker und Kaufmann |
ABSCHNITT II -- UBERBLICK
Marco Polo wurde 1254 in Venedig – oder möglicherweise auf der kroatischen Insel Korčula, wie deren Bewohner bis heute beanspruchen – in eine venezianische Handelsdynastie geboren.Venedig war zu dieser Zeit die große Umschlaghafenstadt zwischen Byzanz, dem Islam und dem lateinischen Europa, mit Niederlassungen in Konstantinopel und an der Schwarzmeerküste.
Marcos Vater Niccolò und sein Onkel Maffeo waren Juwelenhändler, die lange Zeit im Osten unterwegs waren, als Marco geboren wurde; seine Mutter starb früh, und der Junge wuchs bei einer Tante und einem Onkel in Venedig auf.Er lernte vermutlich die Grundlagen des Handels, Buchhaltung in verschiedenen Währungen, wenig Latein und vermutlich kein Griechisch.
Erst 1269, als er fünfzehn Jahre alt war, sah er seinen Vater zum ersten Mal: Niccolò und Maffeo waren von einer Reise zurückgekehrt, die sie bis zu Kublai Khan, dem Großkhan der Mongolen, geführt hatte, und brachten einen Brief Kublais an den Papst mit.Der erste Wendepunkt kam 1271, als die Brüder Polo sich erneut auf den Weg machten, diesmal mit dem siebzehnjährigen Marco.
Sie reisten von Akkon aus, wo Papst Gregor X., frisch gewählt, ihnen zwei Dominikaner als Begleiter und Briefe an den Khan mitgab; die beiden Mönche kehrten jedoch bald entmutigt um.
Die drei Polos zogen über Laiasos, Bagdad, Kerman, durch die persischen Wüsten, über die Pamir-Hochebene («das Dach der Welt»), durch die Takla-Makan-Wüste, entlang der Seidenstraße über Kashgar, Khotan und Dunhuang.1275, nach dreieinhalbjähriger Reise von rund 9.
000 km, erreichten sie Kublai Khans Sommerresidenz Shangdu – das «Xanadu» der späteren europäischen Legende.Der Großkhan empfing sie wohlwollend.Da Marco schnell mehrere asiatische Sprachen lernte – vermutlich Mongolisch, Persisch, eine Turksprache, möglicherweise Uighurisch, wohl aber kaum Chinesisch –, zog ihn Kublai als Gesandten in seine Dienste.
Siebzehn Jahre lang diente Marco dem Hof: Er reiste im Auftrag des Khans nach Yunnan, Tibet, Burma und nach Indien, inspizierte Provinzen, sammelte Berichte über exotische Bräuche, erfuhr vom chinesischen Postsystem mit 10.000 Stationen, vom Papiergeld, von Kohle als Brennstoff (er war fasziniert: «schwarze Steine, die brennen wie Holz»), von riesigen Binnenhandelsflotten, von unvorstellbar großen Städten wie Kinsai (Hangzhou).
Die Brüder häuften Vermögen in Edelsteinen an, das Kublai ihnen gab, doch sie sehnten sich nach Hause.Der zweite Wendepunkt war 1292.Kublai, nun alt, entließ die drei Polos schließlich mit einer besonderen Mission: Sie sollten eine mongolische Prinzessin, Kokachin, auf dem Seeweg nach Persien zum Ilchan Arghun begleiten.
Mit einer Flotte von 14 Schiffen und 600 Mann segelten sie von Quanzhou aus in 18 Monaten über Java, Sumatra, Ceylon und Indien nach Hormuz.Nur ein kleiner Rest der Passagiere überlebte die tropischen Krankheiten und Stürme; Kokachin erreichte Persien, doch der vorgesehene Bräutigam war inzwischen gestorben, und sie wurde dessen Sohn zugeführt.
1295, nach insgesamt 24 Jahren Abwesenheit, kehrten die drei Polos nach Venedig zurück.Die Legende berichtet, dass ihre Verwandten sie nicht mehr erkannten, bis sie ihre Lumpen aufschnitten und die verborgenen Edelsteine heraustaumelten.
1298 geriet Marco in einen der häufigen Seekriege Venedigs mit der Rivalin Genua – er kommandierte oder kämpfte auf einer Galeere in der Seeschlacht von Curzola und wurde gefangen genommen.In genuesischer Haft lernte er Rustichello da Pisa kennen, einen Berufsschreiber von Ritterromanen.
Rustichello erkannte das unerhörte Material, und die beiden diktierten und verfassten gemeinsam in einer Mischung aus Altfranzösisch und italianisiertem Provenzalisch «Le divisament dou monde» – «Die Beschreibung der Welt», später auf Italienisch «Il Milione» genannt.1299 kam Marco frei, kehrte nach Venedig zurück, heiratete die vornehme Donata Badoer und bekam drei Töchter.
Sein Buch verbreitete sich in handschriftlichen Kopien in ganz Europa (rund 150 mittelalterliche Manuskripte sind erhalten) und stieß auf Unglauben und Faszination zugleich.Viele Zeitgenossen nannten es «Il Milione» – angeblich, weil Marco ständig «Millionen» bei Preisen, Einkünften und Entfernungen erwähnte.
Auf dem Sterbebett soll man ihn gedrängt haben, seine übertriebenen Geschichten zu widerrufen; er antwortete laut Überlieferung: «Ich habe nicht die Hälfte dessen erzählt, was ich gesehen habe.» Marco Polo starb 1324 in Venedig, etwa 70 Jahre alt.
Sein Bericht öffnete den Europäern die Augen für den Reichtum und die Raffinesse asiatischer Zivilisationen und beflügelte den Wunsch nach Handel und Entdeckung, der zum Zeitalter der Entdeckungen führte.Christoph Kolumbus trug 200 Jahre später eine schwer beschriebene, annotierte Ausgabe des Milione auf seine Reise nach Westen – in der Hoffnung, den Osten zu erreichen, den Marco beschrieben hatte.
ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE
ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN
“Ich habe nicht die Hälfte dessen erzählt, was ich gesehen habe.”
ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN
[A]Der Bericht aus dem Gefängnis
Marco Polo diktierte seinen berühmten Reisebericht einem Mitgefangenen namens Rustichello da Pisa, während beide in einem genuesischen Gefängnis saßen. Viele Zeitgenossen hielten seine Erzählungen für übertrieben, doch spätere Forschungen bestätigten zahlreiche Details.
ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG
Marco Polos Reisebericht öffnete den Europäern die Augen für den Reichtum und die Raffinesse asiatischer Zivilisationen und schürte den Wunsch nach Handel und Erkundung, der zum Zeitalter der Entdeckungen führte. Christoph Kolumbus trug eine Kopie seines Buches auf seiner Reise nach Amerika bei sich. Seine Beschreibungen von Papiergeld, Kohle und Postsystemen führten den Europäern Innovationen vor, die sie nie zuvor erträumt hatten.
ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE
- [01]Il Milione / Die Reisen des Marco Polo (1298 diktiert)
- [02]Beschreibungen des Mongolenreiches unter Kublai Khan
- [03]Erster europäischer Bericht über chinesisches Papiergeld
- [04]Dokumentation der Handelsrouten der Seidenstraße
- [05]Dienst bei Kublai Khan als Gesandter (1275-1292)

