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AKTENZEICHEN NR. IJM-0014

KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV

Mahatma Gandhi

Gandhi

Unabhängigkeitsführer

Mahatma Gandhi

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL

NameMahatma Gandhi
EnglischGandhi
NationalitatIndien
Lebensdaten1869–1948
GeschlechtMännlich
Jahrhundert20. Jh.
FachgebietPolitik
TitelUnabhängigkeitsführer

ABSCHNITT II -- UBERBLICK

Mohandas Karamchand Gandhi wurde 1869 in Porbandar, einer kleinen Hafenstadt an der Küste Gujarats, als jüngstes Kind des örtlichen Dewan (Ministers) geboren.Die Familie gehörte der Händlerkaste der Bania an und war streng vegetarisch-vaisnavisch; seine Mutter Putlibai fastete oft, und die Hindu-Tradition des Ahimsa – der Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen – war ihm von Kindheit an vertraut, ebenso wie jainistische Einflüsse.

Er war ein schüchternes, unauffälliges Kind.Nach hinduistischem Brauch wurde er mit 13 Jahren mit der gleichaltrigen Kasturba verheiratet.Mit 19 segelte er nach London, um entgegen dem Widerstand seiner Kaste Jura zu studieren – er musste zuvor einen Eid auf Mutter und Tempel leisten, Alkohol, Fleisch und Frauen zu meiden.

In London, wo er sich sehnsüchtig in Anzug und Tanz versuchte, entdeckte er über die vegetarische Bewegung die Bhagavadgita, die Bibel und Thoreau.Der erste Wendepunkt kam 1893, als der junge, eher erfolglose Anwalt ein Mandat in Südafrika annahm.

Auf einer Zugfahrt nach Pretoria wurde Gandhi, obwohl er ein Erster-Klasse-Ticket besaß, aus dem Waggon in Pietermaritzburg geworfen, weil er als «Farbiger» nicht dort reisen durfte.Die Nacht auf dem kalten Bahnhof wurde für ihn zum Erweckungserlebnis.

Aus dem schüchternen Advokaten wurde über zwei Jahrzehnte in Südafrika ein unermüdlicher Kämpfer für die Rechte der indischen Minderheit.Hier entwickelte er ab 1906 das Konzept des «Satyagraha» – der gewaltfreien Wahrheitskraft –, erlitt wiederholt Gefängnis und Prügel, gründete die Tolstoi-Farm als Lebensgemeinschaft und führte 1913 den großen Marsch der indischen Minenarbeiter an, der schließlich einen Kompromiss mit der Regierung erzwang.

1915 kehrte er als «Mahatma» (große Seele) nach Indien zurück und gründete den Sabarmati-Ashram bei Ahmedabad.Er bereiste das Land in Drittklasse-Wagen, trug zunehmend nur noch den einfachen weißen Lendenschurz handgesponnener Baumwolle (Khadi), den er als Symbol wirtschaftlicher Unabhängigkeit gegen die britische Textilindustrie propagierte.

Erste Kampagnen folgten – für die Pächter von Champaran, für die Arbeiter in Ahmedabad.1919 rief er erstmals zu landesweitem Widerstand auf, nach dem Massaker britischer Truppen in Amritsar, bei dem rund 400 unbewaffnete Demonstranten erschossen wurden.

Der zweite Wendepunkt war der Salzmarsch 1930.Um das britische Salzmonopol herauszufordern, marschierte Gandhi mit zunächst 78 Getreuen in 24 Tagen 387 Kilometer von Sabarmati an die Küste von Dandi.

Am 6.April 1930 nahm er dort eine Handvoll Salz vom Strand auf – eine symbolische Geste, die eine Massenbewegung auslöste: Millionen Inder kochten illegal Salz, Zehntausende, darunter Gandhi selbst, kamen ins Gefängnis.

Die Bilder des marschierenden halbnackten Mannes gingen um die Welt und untergruben die moralische Autorität des britischen Weltreichs nachhaltig.In den späteren Jahrzehnten wechselten Hungerstreiks, Verhandlungen, Gefängnis und erneute Kampagnen einander ab.

Während des Zweiten Weltkriegs startete Gandhi 1942 die «Quit India»-Bewegung und wurde zusammen mit der gesamten Kongressführung inhaftiert.Als Großbritannien 1947 schließlich die Unabhängigkeit gewährte, hatte Gandhi seine schmerzlichste Niederlage zu tragen: die Teilung in Indien und Pakistan entlang religiöser Grenzen, die er mit aller Kraft verhindern wollte.

Rund eine Million Menschen starben in den Unruhen, Millionen flohen.Während Delhi feierte, saß Gandhi fastend in Kalkutta, um Hindus und Muslime zu versöhnen.Am 30.

Januar 1948, auf dem Weg zum Abendgebet in Neu-Delhi, wurde Gandhi von dem Hindu-Nationalisten Nathuram Godse mit drei Schüssen ermordet.Seine letzten Worte sollen «He Ram» gewesen sein.

Er hinterließ Besitztümer im Wert von weniger als zwei Dollar.Seine Philosophie des gewaltlosen Widerstands inspirierte Martin Luther King Jr.in Amerika, Nelson Mandela in Südafrika und zahllose Bewegungen weltweit.

Er bewies, dass ein Weltreich ohne Waffengewalt herausgefordert werden konnte, und veränderte die Taktik des politischen Protests im 20.Jahrhundert grundlegend.

ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE

1869Geboren in Porbandar, Indien
1893Reist nach Südafrika, erfährt Rassendiskriminierung
1915Kehrt nach Indien zurück und beginnt die Unabhängigkeitsbewegung
1930Führt den Salzmarsch an
1947Indien erlangt die Unabhängigkeit
1948In Neu-Delhi ermordet

ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Auge um Auge und die ganze Welt wird blind.

ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN

[A]Ein Mann mit wenig Besitz

Zum Zeitpunkt seines Todes hatten Gandhis Besitztümer einen Wert von weniger als 2 Dollar. Obwohl er eine ganze Nation geführt hatte, lebte er in äußerster Bescheidenheit, spann seine eigene Kleidung und predigte durch sein Vorbild.

ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG

Gandhis Philosophie des gewaltlosen Widerstands inspirierte Bürgerrechts- und Freiheitsbewegungen in der ganzen Welt, von Martin Luther King Jr. in Amerika bis Nelson Mandela in Südafrika. Seine Methoden bewiesen, dass ein Imperium ohne Gewalt herausgefordert werden konnte, und veränderten die Taktiken des politischen Protests grundlegend. Die Unabhängigkeit Indiens 1947 demonstrierte die Macht des gewaltlosen Massenhandelns.

ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE

  • [01]Salzmarsch / Dandi-Marsch (1930)
  • [02]Quit-India-Bewegung (1942)
  • [03]Zeitung Indian Opinion (gegründet 1903)
  • [04]Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit (Autobiographie, 1927)
  • [05]Förderung der Khadi- und Swadeshi-Bewegungen

ABSCHNITT VIII -- REFERENZMATERIALIEN

ENDE DER AKTE -- IJM-0014SEITE 1 VON 1