AKTENZEICHEN NR. IJM-0020
KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV
Katharina die Große
Catherine the Great
Kaiserin von Russland

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL
| Name | Katharina die Große |
|---|---|
| Englisch | Catherine the Great |
| Nationalitat | Russland |
| Lebensdaten | 1729–1796 |
| Geschlecht | Weiblich |
| Jahrhundert | 16.–18. Jh. |
| Fachgebiet | Politik |
| Titel | Kaiserin von Russland |
ABSCHNITT II -- UBERBLICK
Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst wurde 1729 in Stettin als Tochter eines preußischen Generals aus unbedeutendem deutschem Fürstenhaus geboren.Ihr Vater Christian August kommandierte ein Infanterieregiment im Dienst Friedrichs des Großen, ihre Mutter Johanna Elisabeth entstammte dem Haus Holstein-Gottorp.
Sophie wuchs sparsam auf, bekam eine französische Gouvernante und zeigte früh Intelligenz und eisernen Willen; ihre Mutter beschrieb sie als «philosophisch», aber wenig anmutig.Mit einer strategisch gut verknüpften Verwandtschaft – sie war entfernt mit dem russischen Thronfolger verwandt – wurde sie von Kaiserin Elisabeth von Russland 1744 als Braut für ihren Neffen und designierten Erben Peter ausgewählt.
Der erste Wendepunkt war die Reise nach Moskau im Alter von 14 Jahren.Sophie warf sich in die Russifizierung: Sie lernte Nacht für Nacht Russisch mit einer Leidenschaft, die ihr eine Lungenentzündung einbrachte, trat 1744 zur russisch-orthodoxen Kirche über und erhielt den Namen Jekaterina (Katharina) Alexejewna.
1745 heiratete sie den infantilen, deutschfixierten und geisteskranken Peter.Die Ehe war katastrophal – Peter spielte mit Spielzeugsoldaten im Bett und vernachlässigte sie.Achtzehn Jahre lang harrte Katharina am Hof aus, las Voltaire, Montesquieu und Tacitus, knüpfte politische Netzwerke mit Gardeoffizieren und baute sich mit bemerkenswerter Geduld eine Machtbasis auf.
Ihr einziger Sohn Paul, 1754 geboren, wurde ihr von Elisabeth sofort weggenommen.Im Januar 1762 starb Elisabeth, und Peter bestieg als Peter III.den Thron.
In nur sechs Monaten entfremdete er sich die Armee (Frieden mit dem gehassten Preußen mitten im Sieg), die Kirche (Beschlagnahme ihrer Güter) und den Adel.Im Juni 1762 zog Katharina in Uniform an der Spitze der Garderegimenter gegen ihren eigenen Gatten.
Der abgesetzte Peter wurde wenige Tage später im Gewahrsam ermordet – die genauen Umstände und das Wissen Katharinas davon bleiben umstritten.Mit 33 Jahren bestieg sie den Thron als Alleinherrscherin einer Macht, auf die sie keinerlei dynastischen Anspruch hatte.
In den ersten Jahren regierte sie mit aufklärerischem Elan.1767 berief sie die «Gesetzgebende Kommission», vor der sie ihren «Nakaz» – eine «Instruktion» mit 22 Kapiteln, die stark von Montesquieu und Beccaria inspiriert war – verlas: für Rechtsgleichheit, gegen Folter, für milde Strafen.
Sie korrespondierte jahrzehntelang mit Voltaire und Diderot, den sie 1773 monatelang nach Petersburg einlud.Sie reformierte die Verwaltung, teilte Russland in 50 Gouvernements ein, gründete Schulen, das erste Mädchengymnasium (Smolny-Institut) und 1764 die Eremitage-Gemäldesammlung – Anfang einer der größten Museen der Welt.
Der zweite Wendepunkt war der Pugatschow-Aufstand 1773–1775.Ein Donkosak, der sich als wiederauferstandener Peter III.ausgab, entfachte einen Bauernkrieg, der binnen Monaten Teile des Wolga- und Uralgebiets ergriff.
Zehntausende Leibeigene ermordeten ihre Gutsherren.Die Armee schlug den Aufstand mit brutaler Härte nieder; Pugatschow wurde 1775 in Moskau geviertelt.Für Katharina war es ein Schock: Sie wurde konservativer und stärkte mit ihrer Adelscharta 1785 die Privilegien der Gutsbesitzer über ihre Leibeigenen – ihre Aufklärung endete an den Grenzen der Landwirtschaft.
Außenpolitisch triumphierte sie.In zwei Türkenkriegen (1768–1774 und 1787–1792) eroberte Russland die Nordküste des Schwarzen Meeres; 1783 annektierte sie die Krim, ihr Günstling und brillante Feldmarschall Grigorij Potemkin gründete Sewastopol und Odessa.
Bei den drei Polnischen Teilungen (1772, 1793, 1795) gewann Russland riesige Gebiete im Westen.Russland wurde zur unbestrittenen Großmacht Osteuropas.Katharina führte zahlreiche Liebhaber – zeitgenössischer Klatsch sprach von 22 Favoriten –, die sie großzügig belohnte und einige davon wie den Thronkandidaten Stanisław Poniatowski in Polen politisch einsetzte.
Die Französische Revolution entsetzte sie; sie ließ ihren einst geliebten Radischtschew nach Sibirien verbannen und zensierte die Aufklärung, die sie einst bewundert hatte.Katharina die Große starb am 17.
November 1796 in Sankt Petersburg im Alter von 67 Jahren an einem Schlaganfall.Sie hatte das Russische Reich auf seine größte Ausdehnung gebracht, die Verwaltung modernisiert, die Eremitage mit rund drei Millionen Werken zur Weltinstitution gemacht und die Russische Akademie der Wissenschaften erweitert.
Sie regierte 34 Jahre – länger als jede andere russische Herrscherin – und hinterließ Russland als unumstrittene europäische Großmacht.
ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE
ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN
“Ich werde eine Autokratin sein: Das ist mein Beruf.”
ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN
[A]Gründerin der Eremitage
Katharina gründete das Eremitage-Museum mit einer Anfangssammlung von 225 Gemälden. Heute beherbergt die Eremitage über drei Millionen Werke und zählt zu den größten Museen der Welt.
ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG
Katharina dehnte das Russische Reich auf seine größte territoriale Ausdehnung aus, sicherte den Zugang zum Schwarzen Meer und festigte Russlands Status als europäische Großmacht. Sie modernisierte die russische Verwaltung, förderte die Ideen der Aufklärung und unterstützte Kunst und Bildung, gründete die Eremitage und erweiterte die Russische Akademie der Wissenschaften.
ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE
- [01]Nakaz (Instruktion) zur Rechtsreform (1767)
- [02]Annexion der Krim (1783)
- [03]Gründung der Sammlung des Eremitage-Museums
- [04]Adelscharta (1785)
- [05]Erweiterung der Russischen Akademie der Wissenschaften



