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AKTENZEICHEN NR. IJM-0025

KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV

Murasaki Shikibu

Murasaki Shikibu

Schriftstellerin und Hofdame

Murasaki Shikibu

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL

NameMurasaki Shikibu
EnglischMurasaki Shikibu
NationalitatJapan
Lebensdatenca. 973 – ca. 1014
GeschlechtWeiblich
Jahrhundert6.–10. Jh.
FachgebietLiteratur
TitelSchriftstellerin und Hofdame

ABSCHNITT II -- UBERBLICK

Die Frau, die in die Literaturgeschichte als Murasaki Shikibu einging, wurde um 973 in der kaiserlichen Hauptstadt Heian-kyō – dem heutigen Kyōto – geboren.Ihren wirklichen Namen kennt niemand: «Shikibu» verweist auf den Hofrang ihres Vaters im Zeremonienministerium, «Murasaki» (die Färberfarbe «Violett», aber auch die Hauptheldin ihres späteren Romans) kam erst später hinzu.

Sie stammte aus einem Nebenzweig des mächtigen Fujiwara-Clans, der in der Heian-Zeit am kaiserlichen Hof die Macht monopolisierte.Ihr Vater Fujiwara no Tametoki war jedoch ein untergeordneter Gelehrter und Provinzgouverneur, ein Mann mehr der Bücher als der Karriere.

Sie hatte einen älteren Bruder Nobunori, der Chinesisch lernen sollte – für Mädchen der Heian-Zeit galt es als unweiblich.Murasaki lauschte heimlich dem Unterricht und verstand die Texte schneller als ihr Bruder.

«Welch ein Jammer», soll ihr Vater geseufzt haben, «dass sie kein Junge ist.» Der erste Wendepunkt war eine ungewöhnlich späte Heirat.Um 998, mit etwa 25 Jahren – nach Heian-Maßstäben fast altjüngferlich – heiratete sie Fujiwara no Nobutaka, einen zwanzig Jahre älteren entfernten Verwandten, der bereits andere Frauen hatte.

Sie gebar eine Tochter, Kenshi, die später selbst eine bekannte Dichterin wurde.Doch schon 1001 starb Nobutaka an der im Land wütenden Epidemie.Die Witwe Mitte zwanzig fand sich allein mit ihrem Kind und einem Kopf voller klassischer chinesischer und japanischer Literatur wieder.

In dieser Zeit der Trauer und Einsamkeit, so vermutet die Forschung, begann sie zu schreiben – möglicherweise bereits die ersten Kapitel über Prinz Genji, die unter Hofdamen in Abschriften kursierten.Die Erzählungen erregten Aufmerksamkeit.

Um 1005 oder 1006 wurde Murasaki in den Dienst der Kaiserin Shōshi, Tochter des allmächtigen Fujiwara no Michinaga, berufen, damals die literarische und politische Zentralgestalt am Hof.Der Palast war eine Welt von kostbaren Seidenroben in zwölf übereinandergeschichteten Farben, von nächtlichen Gedichtwettbewerben bei Kerzenlicht, von Liebesbriefen, die auf parfümiertem Papier durch Schiebetüren zu geheimen Rendezvous glitten.

Murasaki fand sich in diesem glitzernden und doch erstickenden Mikrokosmos als Hofdame wieder.Ihre Erfahrungen, Beobachtungen und stille Ironie hielt sie in ihrem Tagebuch fest, das zu den wichtigsten Dokumenten der Heian-Kultur wurde.

Der zweite Wendepunkt war die Förderung durch Michinaga.Der mächtige Regent ließ Murasaki in einem ruhigen Zimmer mit Schreibgerät und – kostbar wie Gold – Papier versehen, damit sie weiterarbeiten konnte.

Unter seinem Schutz entstand über Jahre das monumentale «Genji monogatari», «Die Geschichte vom Prinzen Genji»: 54 Kapitel, über 400 namentlich auftretende Figuren, rund 800 Gedichte, 1.300 Seiten.

Der Roman erzählt das Leben des «strahlenden Prinzen» Genji, eines kaiserlichen Sohnes aus nebenamtlicher Mutter, seiner zahllosen Liebschaften, seines politischen Aufstiegs und Falls, und – nach Genjis Tod – die düsterere Welt seiner Nachkommen in den berühmten «Uji-Kapiteln».Murasaki entfaltet die psychologische Innenwelt ihrer Figuren mit einer Feinheit, die manche Literaturwissenschaftler als den ersten psychologischen Roman der Weltgeschichte feiern.

Ihr Tagebuch enthüllt sie als scharfsichtige Beobachterin des Hoflebens: Sie beschreibt rivalisierende Hofdamen (die sie als eitel, neidisch oder, im Fall von Sei Shōnagon mit deren «Kopfkissenbuch», als überheblich einschätzt), die Geburt des kaiserlichen Prinzen mit aller Angst und allem Ritual, und ihre eigene Melancholie im Dienst: «Wenn ich an die Vergänglichkeit denke, wird mir das Schreiben zum Trost, der mich nicht wirklich tröstet.» Ein frühes Feuer soll ihre Handschriften vernichtet haben; sie schrieb Teile neu.

Um 1014, mit etwa 41 Jahren, verstummen die Spuren Murasakis.Manche Forscher vermuten, sie sei früh gestorben; andere, sie habe sich in ein Kloster zurückgezogen.Ihr genaues Todesjahr ist unbekannt.

Doch «Genji monogatari» überlebte sie in zahllosen Abschriften, wurde jahrhundertelang in Kloster- und Adelskreisen studiert, illustriert und kommentiert – die berühmten «Genji-Bildrollen» des 12.Jahrhunderts gehören zu den Nationalschätzen Japans.

Das Werk gilt weithin als der erste Roman der Weltliteratur, entstanden Jahrhunderte vor europäischen Romanen.Seine psychologische Tiefe, narrative Raffinesse und die Erkundung der «Mono no aware» – der Rührung über die Vergänglichkeit der Dinge – prägten die japanische Ästhetik ein ganzes Jahrtausend.

Murasaki Shikibu zeigte, dass weibliche literarische Stimmen Werke höchsten künstlerischen Ranges hervorbringen können.

ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE

ca. 973Geboren in Kyoto, Japan
ca. 998Heiratet Fujiwara no Nobutaka
ca. 1001Tod ihres Ehemannes
ca. 1005Tritt als Hofdame in den Dienst der Kaiserin Shoshi
ca. 1008Erste Kapitel der «Geschichte vom Prinzen Genji» kursieren am Hof
ca. 1014Letztes bekanntes Lebenszeichen

ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN

In dieser Welt gibt es keinen Ort, an den man vor der Traurigkeit fliehen könnte.

ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN

[A]Der erste Roman der Welt

Die «Geschichte vom Prinzen Genji» umfasst 54 Kapitel und über 400 Figuren. Das Werk schildert das Leben und die Liebesbeziehungen des Prinzen Genji am kaiserlichen Hof und gilt vielen Literaturwissenschaftlern als der erste psychologische Roman der Weltgeschichte.

ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG

Murasaki Shikibus Geschichte vom Prinzen Genji gilt weithin als der erste Roman der Welt und entstand Jahrhunderte vor europäischen Romanen. Ihre psychologische Tiefe, narrative Raffinesse und Erkundung menschlicher Emotionen etablierten literarische Standards, die die japanische Ästhetik ein Jahrtausend lang beeinflussten. Sie zeigte, dass weibliche literarische Stimmen Werke höchsten künstlerischen Ranges hervorbringen können.

ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE

  • [01]Die Geschichte vom Prinzen Genji (ca. 1000-1012)
  • [02]Das Tagebuch der Murasaki Shikibu (ca. 1010)
  • [03]Die Gedichtsammlung der Murasaki Shikibu (etwa 128 Gedichte)
  • [04]Beiträge zur Heian-Hofliteratur

ABSCHNITT VIII -- REFERENZMATERIALIEN

ENDE DER AKTE -- IJM-0025SEITE 1 VON 1