AKTENZEICHEN NR. IJM-0027
KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV
Marie Antoinette
Marie Antoinette
Königin von Frankreich

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL
| Name | Marie Antoinette |
|---|---|
| Englisch | Marie Antoinette |
| Nationalitat | Frankreich |
| Lebensdaten | 1755–1793 |
| Geschlecht | Weiblich |
| Jahrhundert | 16.–18. Jh. |
| Fachgebiet | Politik |
| Titel | Königin von Frankreich |
ABSCHNITT II -- UBERBLICK
Maria Antonia Josepha Johanna von Habsburg-Lothringen wurde am 2.November 1755 in Wien als fünfzehntes Kind von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz I.geboren, nur wenige Tage vor dem großen Erdbeben von Lissabon.
Sie wuchs in den Schlössern Schönbrunn und Hofburg in der ungewöhnlich warmen Atmosphäre der habsburgischen Großfamilie auf.Maria Theresia liebte ihre Kinder, aber regierte als Staatsfrau: Jede Tochter war ein diplomatisches Pfand.
Antonia, die Jüngste, bekam eine oberflächliche Ausbildung – sie konnte kaum richtig schreiben, tanzte hervorragend und spielte Cembalo (Mozart war ihr Altersgenosse und spielte angeblich auf ihrem Schoß).Mit etwa 13 Jahren musste sie schmerzhafte Zahnregulierungen und intensive Französischkunde erdulden, denn ihre Mutter hatte für sie einen besonderen Thron vorgesehen.
Der erste Wendepunkt kam am 16.Mai 1770: Die 14-Jährige wurde im Spiegelsaal von Versailles mit dem gleichaltrigen Dauphin Ludwig-August, dem späteren Ludwig XVI., verheiratet – eine Ehe, die das jahrhundertealte Feindschaft zwischen Habsburg und Bourbon besiegeln sollte.
An der Grenze bei Straßburg musste sie in einer symbolischen Zeremonie alle ihre österreichischen Kleider, Diener und sogar ihren Hund ablegen, um gänzlich als «Französin» in ihr neues Land einzutreten.In Versailles erwartete sie ein scheuer, jagdbesessener und dicker Prinz, der sie sieben Jahre lang nicht berührte – die Ehe blieb unvollzogen, vermutlich aufgrund einer leichten körperlichen Schwierigkeit des Dauphin, die erst nach einem Brief der Mutter und einer Intervention ihres Bruders Joseph II.
1777 behoben wurde.1774 starb Ludwig XV., und mit 18 Jahren wurde Marie Antoinette Königin von Frankreich.
Sie warf sich in die Vergnügungen: zu hohe Frisuren (die «Pouf» mit Schiffsmodellen oder Vogelkäfigen), endlose Spieltische, nächtliche Maskenbälle in Paris, eine eigene Theatertruppe, in der sie Hauptrollen spielte.Sie bestellte Hunderte Kleider bei ihrer Couturière Rose Bertin.
Ihr Schwager, der Graf von Provence, und Pamphlete bezeichneten sie als «l'Autrichienne» (die Österreicherin/die Hündin).Nach der Geburt ihrer vier Kinder – Marie-Thérèse, Louis-Joseph, Louis-Charles, Sophie – zog sie sich zunehmend in ihr «Hameau de la Reine» zurück, ein inszeniertes Bauerndorf beim Petit Trianon, wo sie in Musselinkleidern Schäferinnen spielte und die Gemüsegärten überwachte.
Der zweite Wendepunkt war 1785 die Halsbandaffäre: Die Betrügerin Jeanne de la Motte überzeugte den verliebten Kardinal Rohan, die Königin wünsche heimlich den Kauf eines Diamantkolliers von 2 Millionen Livres.Das Kollier verschwand in Stücken nach London, die Affäre flog auf, und obwohl Marie Antoinette nachweislich unschuldig war, blieb ihr Ruf zerstört.
Die öffentliche Meinung hielt sie für die «Madame Déficit», die den Staat an den Rand des Bankrotts brachte – obwohl die wirkliche Finanzkrise Frankreichs auf Jahrzehnte zurückging.Am 14.
Juli 1789 stürmten die Pariser die Bastille; im Oktober zwang ein Marsch hungriger Marktfrauen die Königsfamilie, von Versailles nach Paris in den Tuilerien-Palast umzuziehen.Als die Revolution radikaler wurde, plante die Königin den Fluchtversuch.
In der Nacht des 20.Juni 1791 floh die verkleidete Familie in einer zu auffälligen Kutsche Richtung Österreich, wurde aber in Varennes erkannt und zurückgebracht.Der Fluchtversuch zerstörte die letzte Loyalität; im August 1792 stürmte der Mob die Tuilerien, und die Monarchie wurde abgeschafft.
Die Familie wurde im düsteren Temple-Turm eingesperrt.Am 21.Januar 1793 wurde Ludwig XVI.
guillotiniert.Im Juli riss man der Witwe den 8-jährigen Sohn Louis-Charles weg, um ihn zum «Republikaner» umzuerziehen; sie sah ihn nie wieder.Am 14.
Oktober 1793 begann ihr Prozess vor dem Revolutionstribunal.Sie, nun 37 Jahre alt, in der Conciergerie, ihr Haar weißgeworden, erschien mit bewundernswerter Würde.Unter den grotesken Vorwürfen war auch der von Jacques-René Hébert erfundene Inzest mit ihrem Sohn – worauf sie sich an «alle Mütter» wandte, die im Saal waren.
Am 16.Oktober 1793, um 12:15 Uhr, wurde Marie Antoinette auf dem Place de la Révolution guillotiniert.Sie war weißgekleidet, trat dem Henker versehentlich auf den Fuß und sagte: «Pardon, Monsieur, das war keine Absicht.
» Das berühmte «Sollen sie doch Kuchen essen» (Qu'ils mangent de la brioche) hat sie nie gesagt – die Phrase war schon Jahrzehnte vor ihr anderen Adligen zugeschrieben worden.Ihr Leben und Tod wurden zum Symbol für die Exzesse des Ancien Régime und die gewaltsamen Folgen der Revolution.
Ihre kulturelle Wirkung lebt in unzähligen Darstellungen in Film, Oper und Literatur fort.
ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE
ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN
“Mut! Ich habe ihn jahrelang bewiesen; glaubt Ihr, ich verliere ihn ausgerechnet in dem Augenblick, da mein Leid endet?”
ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN
[A]«Sollen sie doch Kuchen essen» – ein Mythos
Das berühmte Zitat wurde bereits Jahrzehnte vor Marie Antoinettes Zeit anderen Adligen zugeschrieben. Die Phrase wurde von Revolutionären als Propagandamittel eingesetzt, um den Hass auf die Monarchie zu schüren. Historiker sind sich einig, dass sie diese Worte nie gesagt hat.
ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG
Marie Antoinettes Leben und Hinrichtung wurden zum mächtigen Symbol für die Exzesse der Monarchie und die gewaltsamen Folgen der Revolution. Ihr Prozess und Tod halfen, den Verlauf der Französischen Revolution zu bestimmen, und beeinflussten Debatten über Gerechtigkeit, Monarchie und Volkssouveränität, die bis heute andauern. Ihre kulturelle Wirkung lebt in unzähligen Darstellungen in Film, Literatur und Kunst fort.
ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE
- [01]Förderung der Künste in Versailles
- [02]Bau des Weilers von Petit Trianon
- [03]Halsbandaffäre (1785, öffentlicher Skandal)
- [04]Aussage vor dem Revolutionstribunal (1793)
- [05]Letzter Brief an Madame Élisabeth (1793)



