AKTENZEICHEN NR. IJM-0029
KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV
Winston Churchill
Winston Churchill
Premierminister und Staatsmann

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL
| Name | Winston Churchill |
|---|---|
| Englisch | Winston Churchill |
| Nationalitat | Vereinigtes Königreich |
| Lebensdaten | 1874–1965 |
| Geschlecht | Männlich |
| Jahrhundert | 20. Jh. |
| Fachgebiet | Politik |
| Titel | Premierminister und Staatsmann |
ABSCHNITT II -- UBERBLICK
Winston Leonard Spencer-Churchill wurde am 30.November 1874 im Blenheim Palace in Oxfordshire geboren – angeblich zwei Monate zu früh, während eines Balls, für den seine Mutter Tanzschuhe angezogen hatte.
Sein Vater Lord Randolph Churchill war eine aufstrebende Tory-Politikerstar, seine Mutter Jennie Jerome eine glanzvolle amerikanische Erbin aus Brooklyn.Die Eltern waren distanziert; der Junge sehnte sich verzweifelt nach ihrer Aufmerksamkeit und klammerte sich an seine Kinderfrau Mrs.
Everest, die er zeitlebens «die beste Freundin meiner Kindheit» nannte.In der Privatschule Harrow galt er als schlechter Schüler mit Sprechstörung – er rollte das «s», lispelte das «r» – und miserablen Mathematiknoten.
Dreimal fiel er durch die Aufnahmeprüfung der Militärakademie Sandhurst, bevor er 1895 als Kavallerieoffizier abschloss.Der erste Wendepunkt war seine Zeit als abenteuerlustiger junger Kriegsberichterstatter und Offizier.
Er kämpfte 1897 an der indischen Nordwestgrenze, 1898 bei Omdurman im Sudan (wo er in einem der letzten klassischen Kavallerieangriffe der Geschichte mit der 21.Lancers in die Derwische preschte), und 1899 geriet er als Reporter im Burenkrieg in Kriegsgefangenschaft.
Seine spektakuläre Flucht aus dem Gefangenenlager in Pretoria – 300 Meilen durch feindliches Gebiet, versteckt in einer Mine, dann in einem Güterwagen – machte ihn zum nationalen Helden.1900 wurde er mit 25 Jahren ins Unterhaus gewählt.
Er wechselte 1904 von den Konservativen zu den Liberalen – «jeder kann die Wende machen», spottete er später, «doch ich habe sie zweimal gemacht.» Vor und während des Ersten Weltkriegs stieg er rasch auf: Innenminister, Erster Lord der Admiralität, in dem er die königliche Marine von Kohle auf Öl umstellte.
Doch die katastrophale Gallipoli-Kampagne 1915, die er vorangetrieben hatte und die rund 250.000 alliierte Verluste kostete, zerstörte seinen Ruf.Zurückgetreten, diente er monatelang als Bataillonskommandeur an der Westfront in den Gräben, bevor er 1917 politisch rehabilitiert wurde.
In der Zwischenkriegszeit kehrte er zu den Konservativen zurück, arbeitete als Schatzkanzler (der die unglückliche Rückkehr zum Goldstandard 1925 zu verantworten hatte), und verbrachte die 1930er Jahre als einsamer Warner in der politischen Wildnis: Er rief gegen Hitlers Aufrüstung, gegen die Beschwichtigungspolitik Chamberlains.Kaum jemand hörte zu.
Der zweite Wendepunkt war der 10.Mai 1940.An dem Tag, an dem Hitlers Panzer in die Niederlande und Belgien eingefallen waren, stürzte Chamberlains Regierung, und König Georg VI.
bat Churchill, mit 65 Jahren Premierminister zu werden.Am selben Abend kam er heim zu seiner Frau Clementine und sagte: «Endlich habe ich die Autorität, dem Ganzen Befehle zu erteilen.
» In den nächsten Wochen sprach er die großen Reden, die Großbritannien in seiner dunkelsten Stunde zusammenhielten: «Ich habe nichts zu bieten als Blut, Schweiß, Tränen und Mühsal» (13.Mai); «Wir werden an den Stränden kämpfen» (4.
Juni nach Dünkirchen); «Nie auf dem Feld menschlichen Konflikts schuldeten so viele so wenigen so viel» (Luftschlacht um England, August); und nach den Dezember 1940-Bombennächten im Blitz: «Dies war ihre beste Stunde.» Jahre lang führte er gegen den Rat vieler Berater Großbritannien allein gegen Hitler weiter – bis die Sowjetunion und die USA 1941 eintraten.
Er baute persönliche Beziehungen zu Roosevelt und schwierigere zu Stalin auf, reiste unermüdlich in einem ungeheizten Bomber in alle Kriegsgebiete, rauchte Zigarren und trank Pol Roger-Champagner bis in die Morgenstunden, während er militärische Memoranden diktierte.Die Konferenzen von Teheran 1943, Jalta und Potsdam 1945 gestalteten die Weltordnung der Nachkriegszeit.
Im Juli 1945, kurz vor dem Sieg über Japan, verlor er überraschend die Parlamentswahlen – das britische Volk wollte sozialen Wandel, nicht mehr Kriegshelden.«Undankbarkeit gegen große Führer», sagte Clementine tröstend, «ist das Zeichen eines großen Volkes.
» Churchill blieb politisch aktiv.1946 prägte er in Fulton, Missouri, den Begriff des «Eisernen Vorhangs» und setzte damit den Rahmen des Kalten Krieges.1951 kehrte er mit 76 Jahren noch einmal als Premierminister zurück.
1953 erhielt er den Nobelpreis für Literatur «für seine Meisterschaft in historischer und biographischer Darstellung wie für seine glänzenden Reden», vor allem für seine sechsbändige Geschichte des Zweiten Weltkriegs.Er zog sich 1955 zurück, litt in seinen letzten Jahren unter wiederholten Schlaganfällen und einer Depression, die er seinen «schwarzen Hund» nannte; Trost fand er beim Malen, einer 1915 entdeckten Leidenschaft, in der er über 500 Werke schuf.
Winston Churchill starb am 24.Januar 1965 in London, 90 Jahre alt.Sein Staatsbegräbnis war das größte, das Großbritannien je einem Nichtmonarchen zuteilwerden ließ.
Seine Kriegsführung und Rhetorik scharten die freie Welt um sich und waren unverzichtbar für die Niederlage Nazi-Deutschlands; seine Reden bleiben Bezugspunkte demokratischer Entschlossenheit.
ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE
ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN
“Wir werden niemals aufgeben.”
“Erfolg ist nicht endgültig, Misserfolg ist nicht fatal: Was zählt, ist der Mut weiterzumachen.”
ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN
[A]Der Maler im Premierminister
Churchill entdeckte die Malerei im Alter von 40 Jahren als Mittel gegen seine Depressionen, die er als «schwarzen Hund» bezeichnete. Im Laufe seines Lebens schuf er über 500 Gemälde, hauptsächlich Landschaften, und stellte unter dem Pseudonym «David Winter» sogar in der Royal Academy aus.
ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG
Churchills Kriegsführung und schwungvolle Rhetorik scharten Großbritannien und die alliierten Nationen in ihren dunkelsten Stunden um sich und machten ihn unverzichtbar für die Niederlage Nazi-Deutschlands. Seine Reden -- 'Wir werden an den Stränden kämpfen', 'Ihre schönste Stunde' -- definierten den Geist des Widerstands und bleiben Bezugspunkte demokratischer Entschlossenheit. Er prägte auch die Nachkriegsweltordnung durch die Konferenzen von Jalta und Potsdam.
ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE
- [01]Rede 'Wir werden an den Stränden kämpfen' (1940)
- [02]Rede 'Ihre schönste Stunde' (1940)
- [03]Der Zweite Weltkrieg (sechsbändige Geschichte, 1948-1953)
- [04]Geschichte der englischsprachigen Völker (vier Bände, 1956-1958)
- [05]Nobelpreis für Literatur (1953)



