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AKTENZEICHEN NR. IJM-0035

KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV

Himiko

Himiko

Königin von Yamatai

Himiko

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL

NameHimiko
EnglischHimiko
NationalitatJapan
Lebensdatenca. 170 – ca. 248
GeschlechtWeiblich
Jahrhundert1.–5. Jh.
FachgebietPolitik
TitelKönigin von Yamatai

ABSCHNITT II -- UBERBLICK

Himiko, deren Name in chinesischen Quellen als «Pimiko» oder «Pimihu» überliefert ist, wurde um 170 n.Chr.im alten Japan der späten Yayoi-Zeit geboren.

Über ihre Kindheit und Familie schweigen die Quellen – das gesamte Wissen über sie stammt aus chinesischen Chroniken, insbesondere dem «Wei Zhi» («Aufzeichnungen über Wei»), einem Teil der Sanguozhi-Dynastiegeschichte aus dem späten 3.Jahrhundert.

Das Japan ihrer Zeit (im chinesischen Sprachgebrauch «Wa» genannt) befand sich in einer langen Phase der Staatenbildung: Die archäologischen Spuren zeigen rund 100 kleine agrarische Gemeinwesen, durch Reisbau, Bronzeverarbeitung und eingezäunte Dorfsiedlungen charakterisiert.Kriege waren häufig, und ein Zyklus von männlichen Häuptlingen hatte nach der «Wei Zhi» das Land in jahrzehntelange Bürgerkriege gestürzt.

Der erste Wendepunkt war eine Entscheidung, die rund dreißig Kleinstaaten um 189 n.Chr.gemeinsam trafen.

Die «Wei Zhi» berichtet: «Das Land war eine Zeit lang unruhig, und es gab Krieg für Jahre.Dann stimmten die Menschen überein und wählten eine Frau zur Königin.Sie hieß Himiko.

Sie übte die Kunst der Geister und bezauberte das Volk.» Die Chronik charakterisiert sie als Schamanin («onna michi» oder «kidō»), die durch spirituelle Autorität und rituelle Kommunikation mit den Göttern regierte, während weltliche Amtsgeschäfte ein jüngerer Bruder besorgte.

Sie soll bereits in fortgeschrittenem Alter gewesen und unverheiratet geblieben sein, umgeben von tausend weiblichen Dienerinnen und nur einem Mann, der ihr Essen brachte und Botschaften überbrachte.Ihr Reich, von den Chinesen Yamatai genannt, war das dominierende unter etwa dreißig bekannten Wa-Gemeinwesen.

Die genauen geografischen Angaben der «Wei Zhi» über die Lage Yamataiaus – Himmelsrichtungen, Entfernungen in Tagesmärschen – sind widersprüchlich und lassen keine eindeutige Identifizierung zu.Zwei große Theorien streiten in der japanischen Geschichtsforschung seit dem 18.

Jahrhundert: Die eine verortet Yamatai in Nordkyūshū in der Gegend der heutigen Präfektur Fukuoka, wo rund 2.000 archäologische Stätten aus der späten Yayoi-Zeit Bronzespiegel, befestigte Siedlungen und reiche Gräber zeigen; die andere in der Kinai-Region, im Yamato-Becken bei Nara, wo die Gräber der frühen Kaiserdynastie, darunter das monumentale Hashihaka-Grab, eine der frühesten japanischen Staatsbildungen vermuten lassen.

Der zweite Wendepunkt war die diplomatische Mission ins China der Wei-Dynastie 238 n.Chr.Himiko sandte ihren Gesandten Nashonmi mit Geschenken – «vier männliche Sklaven, sechs weibliche Sklaven und zwei Stücke gemusterten Stoffes, jedes zwanzig Fuß lang» – an den Hof des Wei-Kaisers Ming in Luoyang.

Der Kaiser, der gerade um die Kontrolle des Gelben Meeres kämpfte, reagierte überraschend großzügig.239 n.Chr.

ließ er an Himiko einen kostbaren Titel verleihen: «Qinwei Wowang» – «Königin von Wa, Freundin der Wei» – zusammen mit einem goldenen Siegel mit lila Schnur und 100 Bronzespiegeln.Das goldene Siegel ist bis heute nicht wiedergefunden worden; möglicherweise liegt es in ihrem noch unbekannten Grab.

Die rituellen Bronzespiegel mit dreieckigem Rand und mythologischen Motiven («Sankakubuchi Shinjūkyō»), von denen Hunderte in japanischen Gräbern gefunden wurden, werden oft mit den Geschenken der Wei in Verbindung gebracht.Himiko unterhielt eine konfliktreiche Beziehung zum Nachbarstaat Kuna im Süden, dessen König Himiko-kyo («Herrscher männlicher Art») sie herausforderte.

Um 247 n.Chr.entsandte sie einen weiteren Gesandten an den Wei-Hof, um Beistand im Kampf gegen Kuna zu erbitten; die Wei schickten einen Gouverneur mit einer gelben Standarte als Ermutigung, doch wahrscheinlich keine militärische Hilfe.

Bald darauf, um 248 n.Chr., starb Himiko, etwa 78 Jahre alt.

Die «Wei Zhi» berichtet: «Als Himiko starb, errichtete man einen großen Grabhügel, mehr als hundert Pe (Schritte) im Durchmesser.Über hundert männliche und weibliche Diener folgten ihr in den Tod.

» Die Erbfolge war chaotisch: Man setzte zunächst einen männlichen Verwandten ein, aber das Volk lehnte ihn ab, und Krieg entbrannte erneut.Schließlich wurde die dreizehnjährige Iyo (Toyo), eine Verwandte Himikos, zur Königin gemacht, und das Land beruhigte sich.

Himiko verschwindet damit aus der Geschichte.Die späteren japanischen Chroniken (Kojiki von 712, Nihon Shoki von 720) erwähnen sie mit keinem Wort, vermutlich, weil der imperiale Mythos von Kaiser Jimmu als Gründer der Nation die Erinnerung an eine schamanische Königin nicht dulden wollte.

Einige moderne Forscher identifizieren sie mit der legendären Kaiserin Jingū oder der Sonnengöttin Amaterasu selbst.Das Geheimnis um Yamatais Lage treibt die archäologische Forschung in Japan bis heute an; jeder neue Bronzespiegel und jedes freigelegte Keyhole-Grab wird auf Himiko-Bezug geprüft.

Als früheste namentlich genannte Herrscherin der japanischen Geschichte ist sie unverzichtbar für das Verständnis der Ursprünge Japans als politische Einheit, und ihre Gestalt symbolisiert die engen Verbindungen des alten Japans zum asiatischen Kontinent und die bedeutende Rolle, die Frauen in der frühen japanischen Führung spielten.

ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE

ca. 170Vermutliche Geburt
ca. 189Aufstieg zur Königin nach langen Bürgerkriegen
238Sendet Gesandte an den Hof der chinesischen Wei-Dynastie
239Erhält den Titel «Königin von Wa, Freundin der Wei» und ein goldenes Siegel
ca. 248Stirbt; ein großer Grabhügel wird errichtet

ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN

Sie regierte durch die Kunst der Geister und bezauberte das Volk.

ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN

[A]Das Rätsel von Yamatai

Der genaue Standort von Himikos Reich Yamatai ist eines der größten ungelösten Rätsel der japanischen Geschichte. Die beiden führenden Theorien verorten es entweder in Nordkyushu oder in der Kinai-Region (dem heutigen Nara). Chinesische Quellen geben zwar Richtungen und Entfernungen an, doch diese Angaben sind widersprüchlich und lassen keine eindeutige Zuordnung zu.

ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG

Himiko ist die früheste namentlich genannte Herrscherin der japanischen Geschichte, die in ausländischen Quellen verzeichnet ist, was sie für das Verständnis der Ursprünge Japans als politische Einheit unverzichtbar macht. Das Geheimnis um die Lage von Yamatai treibt die archäologische Forschung in Japan weiterhin an, und Himiko ist zur kulturellen Ikone geworden, die die Verbindung des alten Japans zum asiatischen Kontinent und die Rolle der Frauen in der frühen japanischen Führung repräsentiert.

ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE

  • [01]Vereinigung von Yamatai durch spirituelle Autorität (ca. 189)
  • [02]Diplomatische Mission zum Wei-China (238)
  • [03]Empfang des Goldsiegels 'König von Wa, Freund von Wei'
  • [04]Etablierung tributärer Beziehungen zum Wei-Hof
  • [05]Regierung durch schamanisches Ritual (im Wei Zhi beschrieben)

ABSCHNITT VIII -- REFERENZMATERIALIEN

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