AKTENZEICHEN NR. IJM-0039
KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV
Coco Chanel
Coco Chanel
Modedesignerin und Unternehmerin

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL
| Name | Coco Chanel |
|---|---|
| Englisch | Coco Chanel |
| Nationalitat | Frankreich |
| Lebensdaten | 1883–1971 |
| Geschlecht | Weiblich |
| Jahrhundert | 20. Jh. |
| Fachgebiet | Kunst |
| Titel | Modedesignerin und Unternehmerin |
ABSCHNITT II -- UBERBLICK
Gabrielle Bonheur Chasnel – der Name wurde im Geburtsregister falsch mit einem «s» geschrieben und später zu «Chanel» – wurde am 19.August 1883 im Armenhaus von Saumur geboren, als zweites uneheliches Kind des Wanderhändlers Albert Chasnel und der kränklichen Wäscherin Jeanne Devolle.
Über ihre wahre Kindheit hat Chanel später ein Leben lang gelogen: Sie erfand reiche Tanten, Reitlehrer und das Geburtsjahr 1893.Die Wahrheit war härter: Als sie elf war, starb ihre Mutter an Tuberkulose; ihr Vater gab die drei Töchter in das Waisenhaus des Aubazine-Klosters in der Corrèze ab, die Söhne bei Bauern als Arbeitskräfte, und verschwand für immer.
Sieben Jahre lang lebte Gabrielle in der strengen Ordnung der Zisterzienserinnen: die schwarz-weißen Habits der Nonnen, das schmucklose weiß-gekalkte Refektorium, die dicken Kleider aus ungefärbtem Stoff, die Rosenkränze, die geometrischen Bodenmosaike der Abteikirche.Diese Welt zeitloser Einfachheit prägte ihr späteres ästhetisches Vokabular mehr als alle Modesalons.
Mit achtzehn wurde sie in ein Internat in Moulins gegeben, wo sie das Nähen lernte.Sie arbeitete tagsüber bei einer Schneiderin und sang abends in kleinen Cafés Unterhaltungslieder für Kavallerieoffiziere.
Zwei Lieblingslieder, «Ko Ko Ri Ko» und «Qui qu'a vu Coco dans le Trocadéro», gaben ihr den Spitznamen «Coco», der für den Rest ihres Lebens blieb.Ihre Stimme reichte nicht für eine Theaterkarriere, aber ihre Anmut fiel auf: Der vermögende Textilerbe Étienne Balsan machte sie 1906 zu seiner Geliebten und nahm sie auf sein Schloss Royallieu bei Compiègne mit.
Dort verbrachte sie Jahre unter der müßigen Gesellschaft reicher Sportler, lernte reiten, jagen, und begann mit zunehmendem Interesse Strohhüte herzustellen, die sie anders schnitt als die überladenen Gebilde der Belle Époque.Der erste Wendepunkt kam 1908, als sie Balsans Freund, den englischen Industriellen und Polospieler Arthur «Boy» Capel kennenlernte.
Capel wurde die große Liebe ihres Lebens; er glaubte an ihr Talent und finanzierte 1910 die Eröffnung ihres ersten Hutsalons in der Rue Cambon 21 in Paris und 1913 eine Filiale in Deauville.Schauspielerinnen wie Gabrielle Dorziat trugen ihre schlichten Strohhüte auf der Bühne und bald überall in der Gesellschaft.
1915 eröffnete sie in Biarritz ihr erstes Haute-Couture-Haus.Dort führte sie das damals völlig unbekannte Jersey-Gewirk – bisher nur für Unterwäsche und Matrosenpullover verwendet – in die Damenmode ein und schuf fließende, weiche Kleider, in denen man sich bewegen, atmen und arbeiten konnte.
Der Erste Weltkrieg zwang ohnehin Frauen zur Berufstätigkeit; Chanels Kleider bekamen das Gefühl der Stunde.Der zweite Wendepunkt kam tragisch: Im Dezember 1919 starb Boy Capel bei einem Autounfall auf dem Weg an die Riviera.
Sie war untröstlich; später sagte sie: «Als ich Boy verlor, verlor ich alles.» Sie ließ sich ihr Schlafzimmer in Royallieu in Schwarz streichen.Aus dieser Trauer und aus der monastischen schwarz-weißen Ästhetik ihrer Kindheit entwickelte sie 1926 das «kleine Schwarze» – la petite robe noire –, das die amerikanische «Vogue» als «Chanel's Ford» bezeichnete: universell, einfach, zeitlos.
Schwarz, bis dahin eine Trauerfarbe, wurde zur eleganten Alltagsfarbe.1921 schuf sie mit dem russischen Parfümeur Ernest Beaux das Parfüm «No.5», benannt nach der fünften Probe, die sie wählte, und abgefüllt in einem revolutionär nüchternen eckigen Flakon – das erste Parfüm, das den Namen einer Designerin statt einer romantischen Blumenmischung trug.
Es wurde das meistverkaufte Parfüm der Geschichte.In den 1920er Jahren war sie eine mondäne Gestalt: Geliebte des russischen Großfürsten Dmitri Pawlowitsch, dann des Herzogs von Westminster, dessen Tweed-Kostüme sie zur Grundlage des berühmten «Chanel-Kostüms» machte, und des Dichters Pierre Reverdy.
Sie finanzierte Djagilews Ballets Russes, Strawinsky, Cocteau, Picasso.Sie bubbleste das kurze Haar, machte die Sonnenbräune gesellschaftsfähig, trug Hosen, wenn niemand Hosen trug, und übernahm die männliche Garderobe für Frauen als kalkulierte Befreiungsgeste.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, schloss sie 1939 ihr Modehaus und entließ alle 3.000 Angestellten.Während der deutschen Besatzung lebte sie im Ritz Paris und unterhielt eine Affäre mit dem deutschen Nachrichtenoffizier Hans Günther von Dincklage.
Diese Jahre – erst 2011 durch freigegebene Geheimdokumente enthüllt – zeigen sie auch als Agentin der deutschen Abwehr, die sich an dem Versuch beteiligte, über Verbindungen zu Churchill zu einem Separatfrieden zu kommen.Nach der Befreiung 1944 von der französischen Résistance kurz verhört, entzog sie sich durch ihre Verbindungen und ging in die Schweiz ins Exil.
1954, im Alter von 71 Jahren, kehrte sie nach Paris zurück und eröffnete ihr Modehaus wieder.Die erste Kollektion wurde in Frankreich zunächst verrissen, doch Amerika liebte sie sofort – die freieren Schnitte waren eine willkommene Alternative zu Diors strengem «New Look».
Das Chanel-Kostüm aus Bouclé-Tweed mit Kontrastborten, goldenen Knöpfen und Kettengürtel wurde Uniform der Elite, von Jackie Kennedy (die am Tag von Dallas 1963 ein rosa Chanel-Kostüm trug) bis Romy Schneider.1955 kam die Steppbag «2.
55» mit Kettenriemen, die es Frauen ermöglichte, die Hände frei zu haben.Coco Chanel arbeitete bis zuletzt.Sie starb am Sonntagabend, dem 10.
Januar 1971, in ihrer Suite im Ritz Paris, 87 Jahre alt, und liegt in Lausanne begraben.Sie befreite Frauen vom Korsett, führte bequeme, elegante Kleidung ein und schuf mit dem kleinen Schwarzen, dem Chanel-Kostüm und No.
5 feste Bestandteile des Modevokabulars.Ihr Grundsatz «Mode vergeht, Stil bleibt» formulierte eine Designphilosophie, die das Fundament der modernen Damenmode bleibt.
ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE
ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN
“Mode vergeht, Stil niemals.”
“Eine Frau, die sich die Haare schneidet, steht kurz davor, ihr Leben zu ändern.”
ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN
[A]Vom Waisenhaus zur Weltspitze
Coco Chanel wuchs nach dem Tod ihrer Mutter in einem Waisenhaus auf, wo sie das Nähen lernte. Die strenge Kleidung der Nonnen und die Einfachheit des Waisenhauses prägten ihr späteres Designideal: zeitlose Schlichtheit statt überladener Verzierung.
ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG
Chanel befreite Frauen von den Zwängen der Korsettmode und führte bequeme, elegante Kleidung ein, die den aktiven Lebensstil der modernen Frau widerspiegelte. Ihre Markeninnovationen -- das kleine Schwarze, das Chanel-Kostüm, Chanel No. 5 -- wurden zu festen Bestandteilen des Modevokabulars. Sie bewies, dass Mode sowohl funktional als auch luxuriös sein kann, und etablierte eine Designphilosophie, die das Fundament der modernen Damenmode bleibt.
ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE
- [01]Parfum Chanel No. 5 (1921)
- [02]Das kleine Schwarze (1926)
- [03]Chanel-Tweed-Kostüm (1920er-1950er Jahre)
- [04]Einführung des Jersey-Stoffes in die Damenmode
- [05]Chanel 2.55 gesteppte Handtasche (1955)



