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AKTENZEICHEN NR. IJM-0041

KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV

Wu Zetian

Wu Zetian

Kaiserin von China

Wu Zetian

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL

NameWu Zetian
EnglischWu Zetian
NationalitatChina
Lebensdaten624–705
GeschlechtWeiblich
Jahrhundert6.–10. Jh.
FachgebietPolitik
TitelKaiserin von China

ABSCHNITT II -- UBERBLICK

Wu Zhao, der Welt als Wu Zetian bekannt, wurde 624 n.Chr.in der Provinz Shanxi in eine wohlhabende Holzhandlungsfamilie geboren.

Ihr Vater Wu Shiyue hatte dem Aufstieg der Tang-Dynastie als Offizier und Geldgeber ihres Gründers Gaozu wichtige Dienste geleistet und wurde dafür zum Herzog erhoben; ihre Mutter entstammte der hochadeligen Yang-Familie, verwandt mit der früheren Sui-Kaiserdynastie.Anders als die meisten Mädchen ihrer Zeit lernte Wu Zhao lesen und schreiben, studierte Geschichte, Poesie, Kalligraphie und Musik – eine Ausbildung, die in den Frauengemächern der Elite selten blieb.

Nach dem Tod ihres Vaters um 635 wurde sie von ihrer Stieffamilie grob behandelt, eine Erfahrung, die ihre spätere Härte gegen mögliche Rivalen erklärt.Der erste Wendepunkt kam 637, als die 13-jährige für ihre Schönheit und geistige Gewandtheit berühmt gewordene Wu in den Harem des Kaisers Taizong aufgenommen wurde – sie erhielt den niedrigen fünften Rang einer «cairen» (Talentierten) mit dem Beinamen «Meiniang», «schöne Dame».

Taizong war einer der großen Kaiser der chinesischen Geschichte, doch Wu stieg in seinem Harem nicht weiter auf, gebar ihm keine Kinder und lernte statt dessen die Mechanik des Hofs, der Verwaltung und der Palastintrigen kennen.Sie soll in dieser Zeit den Kronprinzen Li Zhi kennen gelernt und ihn bezaubert haben.

Als Taizong 649 starb, wurde sie nach konfuzianischem Brauch ins buddhistische Kloster Ganye geschickt, wo die kinderlosen Konkubinen des verstorbenen Kaisers den Rest ihres Lebens zu verbringen hatten.Doch der Kronprinz, nun als Gaozong zum Kaiser aufgestiegen, hatte sie nicht vergessen.

651 holte er sie – mit der bereitwilligen Unterstützung seiner Kaiserin Wang, die hoffte, durch Wu die mit dem Kaiser konkurrierende Konkubine Xiao zu verdrängen – wieder in den Palast.Der Plan ging für die Kaiserin furchtbar schief.

Wu Zhao stieg rasch auf, gebar den ersten Sohn des Kaisers 652, dann mehr Söhne und Töchter.654 soll ihre Tochter im Säuglingsalter tot in ihrer Wiege gefunden worden sein.Wu beschuldigte die kinderlose Kaiserin Wang, die das Kind kurz zuvor besucht hatte – spätere Geschichtsschreiber, ihr feindlich gesinnt, behaupteten, Wu habe ihr eigenes Kind erdrückt, um den Mord ihrer Rivalin in die Schuhe zu schieben.

655 wurden Wang und Xiao als Hexen abgesetzt, grausam verstümmelt und im Weinfass ertränkt.Wu Zetian wurde Kaiserin-Gemahlin.Der zweite Wendepunkt war Gaozongs zunehmende Krankheit ab 660 – möglicherweise Schlaganfälle, die ihm Sehkraft und Kraft nahmen.

Wu übernahm Schritt für Schritt die Regierungsgeschäfte und herrschte von 665 bis zu Gaozongs Tod 683 praktisch als Co-Souverän.Während der Tang expandierten die Grenzen im Westen bis zum Pamir, im Norden bis zum Baikalsee, und Korea wurde unter die Oberhoheit gebracht.

Nach Gaozongs Tod setzte Wu zuerst einen, dann den nächsten ihrer Söhne als Kaiser ein und ab, je nach deren Gehorsam.690, nach mehreren Verschwörungen und einer Welle blutiger Säuberungen gegen die traditionelle Aristokratie, tat sie den unerhörten Schritt: Mit 66 Jahren bestieg sie selbst als «Huangdi» (Kaiser, nicht nur Kaiserin) den Drachenthron, nannte die Dynastie «Zhou» (nach dem legendären altchinesischen Idealreich) und wurde die einzige Frau der chinesischen Geschichte, die in eigenem Recht als Kaiser regierte.

Um ihre Legitimität zu untermauern, die kein Präzedenzfall stützte, nutzte sie mit großem Aufwand religiöse Ressourcen: Sie förderte den Buddhismus, weil das konfuzianische System weibliche Herrschaft ablehnte, ließ die großen Longmen-Grottenbuddhas bei Luoyang bauen (die zentrale Buddha-Statue soll ihr eigenes Gesicht tragen) und ließ den «Großen Wolkensutra» verbreiten, der eine kommende weibliche Inkarnation des Maitreya-Buddha verkündete.Sie erfand rund 20 neue chinesische Schriftzeichen, darunter «曌» (zhào, «strahlen») als ihren eigenen Herrschernamen, eine Kombination aus «Sonne» und «Mond» über «Himmel» – Sinnbild ihrer göttlichen Herrschaft, die über das Gewöhnliche hinausragte.

Die meisten dieser Zeichen verschwanden nach ihrem Tod.Innenpolitisch war ihre Herrschaft zugleich brutal und reformerisch.Sie baute ein Netz von Spionen und Denunzianten auf, ließ Hunderte von Vertretern des alten nordwestchinesischen Aristokraten-Militäradels hinrichten oder verbannen, oft auf bloße Verdachte hin, und unterhielt eine gefürchtete Geheimpolizei.

Andererseits erweiterte sie das System der kaiserlichen Beamtenprüfungen (keju) dramatisch: Zum ersten Mal konnten Männer auch niedriger Herkunft, wenn sie die klassischen Prüfungen bestanden, hohe Staatsämter erreichen.Damit professionalisierte und meritokratisierte sie die chinesische Verwaltung in einer Weise, die die nächsten 1.

300 Jahre prägte.Sie förderte den Außenhandel, Landwirtschaft, den Ausbau der Seidenstraße und die Poesie – ihre Herrschaft war eine Phase wirtschaftlicher Blüte und territorialer Expansion.

In ihren letzten Jahren hatte sie mit einer Jüngergarde junger Männer – den Brüdern Zhang – einen skandalösen Hof, der selbst loyale Beamte entsetzte.705 zwang ein Staatsstreich die nun über 80-jährige, kränkliche Herrscherin zur Abdankung zugunsten ihres Sohnes Zhongzong.

Die Zhou-Dynastie endete; die Tang wurde restauriert.Wu Zetian starb im selben Jahr, 81 Jahre alt, und wurde zusammen mit Gaozong im Qianling-Mausoleum bei Xi'an bestattet.Vor ihrem Grab steht als einziger bedeutender Kaiser-Stele Chinas eine Stele ohne Inschrift – angeblich nach ihrem eigenen Wunsch, weil sie die Beurteilung ihrer Taten den kommenden Generationen überließ.

Sie durchbrach die ultimative Geschlechterbarriere der chinesischen Geschichte, professionalisierte die kaiserliche Verwaltung und bewies, dass effektive Herrschaft das Geschlecht überschreitet.

ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE

624Geboren in einer wohlhabenden Familie in Shanxi
637Tritt als Konkubine in den Palast Kaiser Taizongs ein
655Wird zur Kaiserin-Gemahlin Kaiser Gaozongs ernannt
665Übernimmt faktisch die Regierungsgeschäfte
690Erklärt sich zur Kaiserin und gründet die Zhou-Dynastie
705Wird zur Abdankung gezwungen und stirbt im selben Jahr (80 Jahre)

ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN

Wer den Staat regieren will, muss das Volk kennen. Wer das Volk kennen will, muss ihm zuhören.

ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN

[A]Das eigene Schriftzeichen

Wu Zetian ließ mehrere neue chinesische Schriftzeichen erfinden, darunter eines für ihren eigenen Namen: «曌» – eine Kombination aus den Zeichen für «Sonne» und «Mond» über dem Zeichen für «Himmel». Damit wollte sie ihren Anspruch auf göttliche Herrschaft symbolisieren. Die meisten ihrer neuen Zeichen gerieten nach ihrem Tod wieder in Vergessenheit.

ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG

Wu Zetian durchbrach die ultimative Geschlechterbarriere in der chinesischen Geschichte, indem sie die einzige Frau wurde, die in eigenem Recht als Kaiser regierte. Sie erweiterte das System der Beamtenprüfungen, um Beamte nach Verdienst statt nach Geburt auszuwählen, und professionalisierte damit die chinesische Regierungsführung. Ihre Herrschaft sah territoriale Expansion, wirtschaftlichen Wohlstand und kulturelle Blüte und bewies, dass effektive Herrschaft das Geschlecht überschreitet.

ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE

  • [01]Errichtung der Zhou-Dynastie (690)
  • [02]Erweiterung des kaiserlichen Prüfungssystems
  • [03]Förderung des Buddhismus und Bau der Longmen-Grotten
  • [04]Schaffung neuer chinesischer Schriftzeichen
  • [05]Die Stele ohne Inschrift am Mausoleum von Qianling

ABSCHNITT VIII -- REFERENZMATERIALIEN

ENDE DER AKTE -- IJM-0041SEITE 1 VON 1