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AKTENZEICHEN NR. IJM-0046

KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV

Raffael

Raphael

Maler und Architekt

ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL

NameRaffael
EnglischRaphael
NationalitatItalien
Lebensdaten1483–1520
GeschlechtMännlich
Jahrhundert16.–18. Jh.
FachgebietKunst
TitelMaler und Architekt

ABSCHNITT II -- UBERBLICK

Raffaello Sanzio wurde 1483 in Urbino geboren, am glänzendsten Hof Italiens unter Herzog Federico da Montefeltro, wo Malerei, Musik und Humanismus ein Ideal ritterlicher Bildung bildeten.Sein Vater Giovanni Santi war selbst Hofmaler und Dichter, und so wuchs der Junge zwischen Pinseln, Pigmenten und den neuesten Humanistentexten auf.

Als Raffael acht Jahre alt war, starb seine Mutter; mit elf verlor er auch den Vater.Das verwaiste, ungewöhnlich anmutige Kind trat früh in die Werkstatt des Vaters und später in diejenige des Meisters Perugino in Perugia ein, dessen sanfte Madonnengestalten er zunächst fast vollkommen nachahmte.

Der erste Wendepunkt kam 1504, als der gerade Einundzwanzigjährige nach Florenz zog, wo er vier Jahre lang Leonardo da Vinci und Michelangelo studierte.Von Leonardo lernte er die Pyramidalkomposition und das «Sfumato»; von Michelangelo die muskuläre Dynamik.

Aus dieser Synthese wuchs sein eigener reifer Stil: eine Verbindung von Anmut, Klarheit und ausgewogener Harmonie, die bald als Inbegriff der «grazia» galt.In diesen Florentiner Jahren entstanden zahlreiche Madonnenbilder, unter ihnen die «Madonna del Cardellino».

1508 berief ihn Papst Julius II.nach Rom und übertrug dem knapp 25-jährigen Maler die Ausmalung der päpstlichen Privatgemächer, der «Stanze».Im Raum der Segnatur schuf er zwischen 1509 und 1511 die «Schule von Athen», in der er Platon, Aristoteles, Euklid und Pythagoras in einer lichterfüllten Architektur versammelte – eine malerische Summe des humanistischen Wissens und zugleich ein Gegenstück zu Michelangelos gleichzeitig entstandener Sixtinischer Decke.

Die Geschwindigkeit seiner Arbeit, die Eleganz seines Umgangs und seine Fähigkeit, eine große Werkstatt zu leiten, machten ihn zum gefragtesten Maler Europas.Der zweite Wendepunkt kam 1514, als ihn Papst Leo X.

zum Chefarchitekten von Sankt Peter ernannte und 1515 zusätzlich zum «Bewahrer der Altertümer Roms».Raffael, der keine architektonische Ausbildung besaß, eignete sich die Baukunst in atemberaubender Geschwindigkeit an, entwarf Villen und Paläste und plante eine erste systematische Kartierung des antiken Rom.

Gleichzeitig führte seine Werkstatt – mit rund fünfzig Mitarbeitern eine der größten der Geschichte – Aufträge in ganz Italien aus.Die «Sixtinische Madonna» (1512), die Teppichkartons für die Sixtinische Kapelle und das Porträt seines Freundes Baldassare Castiglione stammen aus diesen Jahren.

Raffael lebte als gefeierter, eleganter Höfling, von Kardinälen umschmeichelt, vom Papst fast wie ein Sohn behandelt.Eine Legende Vasaris erzählt von seiner Liebe zu Margherita Luti, der «Fornarina», einer Bäckerstochter aus Trastevere, deren Züge in mehreren seiner Madonnen wiederkehren.

Trotz einer geplanten Heirat mit der Nichte eines Kardinals blieb diese Verbindung unehelich.Am Karfreitag 1520 starb Raffael überraschend in Rom, erst 37 Jahre alt, vermutlich an einem Fieber nach einem nächtlichen Liebesabenteuer.

Seine letzte, auf der Staffelei stehende Tafel war die «Transfiguration», die bei seiner Beerdigung im Pantheon über seinem Sarg ausgestellt wurde.Vasari berichtet, ganz Rom habe geweint.

Mit ihm, so sagte man damals, starb die Hochrenaissance selbst; sein Grab im Pantheon trägt die Inschrift: «Hier ruht Raffael, von dem die Natur fürchtete, übertroffen zu werden, und mit dem zu sterben sie selbst fürchtete.

ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE

1483Geboren in Urbino
1494Tod des Vaters, Eintritt in die Werkstatt Peruginos
1504Zieht nach Florenz
1508Berufung nach Rom durch Julius II.
1509Beginn der Stanza della Segnatura
1514Chefarchitekt von Sankt Peter
1520Stirbt in Rom (37 Jahre)

ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN

Um eine schöne Frau zu malen, müsste ich mehrere Schöne sehen.

Die Zeit, die gut verbracht wird, ist lang genug.

ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN

[A]Die Grabinschrift im Pantheon

Raffael wählte selbst das Pantheon als Begräbnisstätte, ein Ort, der zuvor keinem Künstler zugedacht war. Sein Freund, der Kardinal Pietro Bembo, verfasste die lateinische Inschrift: «Hier ruht jener Raffael, von dem die Natur, solange er lebte, fürchtete, übertroffen zu werden, und als er starb, fürchtete sie, selbst zu sterben.»

ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG

Raffaels Werke wurden jahrhundertelang als Inbegriff der malerischen Vollkommenheit betrachtet; seine Madonnen prägten das christliche Bildvokabular, seine «Schule von Athen» die visuelle Vorstellung des humanistischen Denkens. Als Vorbild der Akademien bis ins 19. Jahrhundert prägte er die europäische Malerei tiefer als fast jeder andere Künstler.

ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE

  • [01]Die Schule von Athen (1509–1511)
  • [02]Sixtinische Madonna (1512)
  • [03]Die Transfiguration (1518–1520)
  • [04]Madonna del Cardellino (1506)
  • [05]Porträt des Baldassare Castiglione (1515)
  • [06]Teppichkartons für die Sixtinische Kapelle (1515–1516)

ABSCHNITT VIII -- REFERENZMATERIALIEN

ENDE DER AKTE -- IJM-0046SEITE 1 VON 1