AKTENZEICHEN NR. IJM-0049
KLASSIFIKATION: HISTORISCHES ARCHIV
Agatha Christie
Agatha Christie
Schriftstellerin
ABSCHNITT I -- PERSONENPROFIL
| Name | Agatha Christie |
|---|---|
| Englisch | Agatha Christie |
| Nationalitat | Vereinigtes Königreich |
| Lebensdaten | 1890–1976 |
| Geschlecht | Weiblich |
| Jahrhundert | 20. Jh. |
| Fachgebiet | Literatur |
| Titel | Schriftstellerin |
ABSCHNITT II -- UBERBLICK
Agatha Mary Clarissa Miller wurde 1890 in Torquay an der englischen Riviera geboren, als drittes Kind eines wohlhabenden amerikanischen Rentiers und einer englischen Mutter.Auf Wunsch ihres Vaters wurde sie nie zur Schule geschickt; ihre Mutter hatte den eigentümlichen Einfall, ihr das Lesen erst mit acht Jahren beizubringen.
Doch Agatha brachte es sich heimlich schon mit vier selbst bei.Sie wuchs einsam, aber unter idealen Bedingungen einer literarischen Autodidaktin auf: umgeben von englischen Romanen, französischen Gouvernanten und den Geschichten einer Mutter, die behauptete, übersinnliche Kräfte zu besitzen.
Musikalisch hochbegabt, hoffte sie lange, Opernsängerin oder Konzertpianistin zu werden; die Schüchternheit vor dem Publikum machte diese Wege unmöglich.Der erste Wendepunkt kam mit dem Ersten Weltkrieg.
1914 heiratete Agatha den Piloten Archibald Christie und arbeitete während des Krieges als freiwillige Krankenschwester und anschließend in der Apotheke eines Militärlazaretts in Torquay.Dort lernte sie die Wirkung von Giften mit der Präzision einer Fachfrau kennen – ein Wissen, das in fast allen ihren späteren Romanen auftauchen sollte.
Aus einer Wette mit ihrer Schwester, sie könne keinen lesbaren Kriminalroman schreiben, entstand 1920 «Das fehlende Glied in der Kette», in dem sie zum ersten Mal den belgischen Flüchtling und pensionierten Polizisten Hercule Poirot auftreten ließ.In den zwanziger Jahren entwickelte sich Agatha Christie zur produktivsten Kriminalautorin Englands.
1926 erschien «Der Mord an Roger Ackroyd», ein Buch, dessen überraschende Erzählkonstruktion bis heute kontrovers diskutiert wird und das Genre revolutionierte.Doch dasselbe Jahr brachte auch die schwerste Krise ihres Lebens: Ihre Mutter starb, ihr Mann Archie verkündete, er liebe eine andere, und am 3.
Dezember 1926 verschwand sie spurlos.Elf Tage lang durchkämmte halb England die Heide; man fand ihr Auto mit offener Tür an einem Abgrund.Als sie schließlich in einem Hotel in Harrogate unter dem Namen der Geliebten ihres Mannes entdeckt wurde, erklärten die Ärzte «Gedächtnisverlust» – ein Rätsel, das die Christie-Forschung bis heute nicht endgültig gelöst hat.
Der zweite Wendepunkt war ihre zweite Ehe 1930 mit dem Archäologen Max Mallowan, vierzehn Jahre jünger als sie.Die Winter verbrachten sie ab jetzt auf Ausgrabungen im Irak und in Syrien, wo Agatha zwischen den Zelten schrieb und die Funde säuberte.
Aus dieser Zeit stammen «Mord im Orient-Express» (1934), «Tod auf dem Nil» (1937) und «Mord in Mesopotamien» (1936).Parallel entstand die zweite große Ermittlerfigur, die unauffällige Miss Marple aus dem Dorf St.
Mary Mead, erstmals in «Mord im Pfarrhaus» (1930).1939 erschien der wahrscheinlich meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten: «Und dann gab's keines mehr», in dem zehn Menschen auf einer Insel nach der Reihe ermordet werden.
Im gleichen Jahrzehnt schrieb Christie heimlich zwei «Notfallromane», die erst nach ihrem Tod erscheinen sollten und in denen Poirot und Miss Marple sterben – eine Vorsichtsmaßnahme für den Fall, dass die Luftangriffe auf London sie überraschen sollten.Nach dem Krieg wandte sie sich zunehmend der Bühne zu.
«Die Mausefalle», 1952 uraufgeführt, läuft bis heute ununterbrochen in London und ist das langlebigste Theaterstück der Geschichte.Agatha Christie wurde 1971 von Königin Elisabeth II.
zur Dame Commander ernannt und starb 1976 in ihrem Haus in Wallingford, mit 85 Jahren.Sie hinterließ 66 Kriminalromane, 14 Erzählungsbände und rund zwanzig Theaterstücke.Mit über zwei Milliarden verkauften Exemplaren in 103 Sprachen ist sie die meistübersetzte Autorin der Welt; nur die Bibel und Shakespeare haben höhere Auflagen erreicht.
ABSCHNITT III -- CHRONOLOGIE
ABSCHNITT IV -- BEMERKENSWERTE AUSSAGEN
“Die Neugier ist einer der dauerhaftesten und gewissesten Züge einer Intelligenz.”
“Ein Archäologe ist der beste Ehemann, den eine Frau haben kann. Je älter sie wird, desto interessanter findet er sie.”
ABSCHNITT V -- FELDNOTIZEN
[A]Die elf verschwundenen Tage
Am 3. Dezember 1926 verschwand Agatha Christie spurlos aus ihrem Haus. Elf Tage lang suchten tausend Polizisten und fünfzehntausend Freiwillige in ganz England. Schließlich wurde sie in einem Hotel in Harrogate unter falschem Namen entdeckt – sie hatte sich als «Mrs. Neele» eingetragen, den Namen der Geliebten ihres Mannes. Sie selbst sprach nie öffentlich über diese Tage.
ABSCHNITT VI -- VERMACHTNIS UND WIRKUNG
Mit über zwei Milliarden verkauften Büchern in 103 Sprachen ist Agatha Christie die meistübersetzte Autorin der Welt. Sie schuf mit Hercule Poirot und Miss Marple zwei der berühmtesten Ermittlerfiguren der Literatur, revolutionierte mit Werken wie «Der Mord an Roger Ackroyd» die Erzähltechnik des Genres und prägte den «cozy crime» und das geschlossene Rätsel-Setting für Generationen.
ABSCHNITT VII -- HAUPTWERKE
- [01]Das fehlende Glied in der Kette (1920)
- [02]Der Mord an Roger Ackroyd (1926)
- [03]Mord im Orient-Express (1934)
- [04]Tod auf dem Nil (1937)
- [05]Und dann gab's keines mehr (1939)
- [06]Die Mausefalle (Theaterstück, 1952)



